Freitag, August 11, 2006

Eindrücke von Rom

Endlich komme ich dazu von meiner Rom-Reise zu erzählen:

Noch halb schlafend fuhren Yves, Nadine und ich früh morgens nach Genf, flogen mit Easyjet nach Rom und setzten uns
immer noch nicht wirlich wach in eine Bar an der Stazione Termini. Kurz darauf bemerkte ich, dass abgesehen von uns und wenigen anderen Touristen hauptsächlich Obdachlose und schräge Typen hier sassen. Ausserdem stank es um die Bar herum fürchterlich nach Urin.


Als der Gestank nach Urin, Erbrochenem und sonstigem Dreck aus meiner Nase wich, kamen die Abgase. Die gehören in Rom einfach dazu, genauso wie die huppenden Auto- und verrückten Rollerfahrer. Apropo Roller: Die drückten sich durch jede Spalte, egal wie eng sie war. Dass dies nicht immer ungefährlich ist, erlebten wir vor dem Colosseo. Plötzlich hörte ich, wie ein Rollerfahrer zu Boden stürzte. Wie dies passierte, sah ich jedoch nicht. Doch so schlimm schien es nicht zu sein, da sich der Fahrer nach einem kurzen Moment des Schocks wieder auf seinen Roller setzte und davon fuhr - als wäre nichts gewesen. Als Fussgänger in Rom hat man es nicht immer einfach. In der Schweiz halten die meisten Autos brav an den Fussgängerstreifen an, und hier? Hier sind die Fussgängerstreifen wohl eher als Strassendekoration gedacht. Wenn man etwas selbstsicher die Strasse betrat, ging es schon recht einfacher und die Autos fuhren langsamer. Die Sache war aber, dass Yves sehbehindert ist und bei diesem Verkehr und den gegenüber Fussgängern respektlosen Autofahrern sehr Mühe gehabt hätte alleine auf Roms Strassen zurecht zu kommen. Dies bestätigte ihm auch eine Sehbehinderte aus Rom.

Während diesen 4 Tagen in Rom besuchten wir viele Sehenswürdigkeiten wie das Colosseo, Kapital, Forum Romanum, Spanische Treppe, Pantheon, das Quartier Trastevere und vieles mehr. All diese antiken Bauten und Ruinen finde ich so schön. Faszienerend, wenn man bedenkt, wann sie gebaut wurden und was in ihnen alles geschah (z. B Kämpfe im Colosseo). Wir spazierten durch romantische Gässchen und schlenderten über verschiedene Piazzas, was ich in Italien besonders mag. Natürlich liessen wir uns auch kulinarisch verwöhnen. Ich liebe Pizza, Pasta und zwischendurch Gelati schlecken. Die kleine Bar "Mary Love" an der Via Cavour wurde zu unserem Stammplatz, vor allem fürs Frühstück. Wir freundeten uns mit dem Chinesen Francesco an, der diese Bar vor wenigen Wochen eröffnet hat. Er ist ein lieber, aufgestellter und witziger Typ. Er hat die Preise für uns immer stark abgerundet. Nun ja, ist ja schön, aber ich hoffe, dass er dies nicht bei allen macht, denn ich möchte, dass diese Bar noch existiert bei meinem nächsten Rom Besuch.

Ich traf den "Römer" David, den ich in Australien kennen lernte, wieder nach fast einem Jahr. War das schön. Mit ihm unterwegs zu sein war natürlich sehr praktisch, da uns der ständige Blick auf die Stadtkarte erpart blieb und er Geheimtipps gab. Es war erstaunlich, wie schnell wir in seiner Begleitung plötzlich ans Ziel gelangten, was vorher noch so weit weg erschien. Das lag auch daran, dass Nadine, Yves und ich oft im Kreis liefen.



Vor dem Heimflug waren wir alle gereizt und schlecht gelaunt - vor allem ich.
Müde hingen wir am überfüllten Flughafen herum und assen schnell das Frühstück. Bei der Passkontrolle passierte das Unfassbare: Der Angestellte wollte uns nicht hinterdurch lassen, da ich nur eine Boardingkarte für mich hatte und nicht für meine Freunde. Der Grund war, dass ich beim Checkin-Schalter unsere Buchungsbestätigung zeigte und fragte, wo ich eine Boardingkarte bekäme, weil es keine orangen Automaten hatte wie am Flughafen in Genf und weil wir unser Gepäck ins Flugzeug nehmen wollten. Die junge Frau am Schalter sagte, dass ich nichts besonderes bräuchte und drückte mir eine Karte in die Hand. Nun ja, leider habe ich diese Karte nicht genau angeschaut, sonst hätte ich schon früher gemerkt, dass es eine Boardingkarte war und zwar nur für mich. Sie hat die anderen Teilnehmer auf der Buchungsbestätigung nicht gesehen und ich habe in meiner Gereiztheit und Müdigkeit einfach gar nichts gecheckt. Der Typ bei der Passkontrolle meinte, dass es unser Problem sei, wenn wir das Flugzeug verpassen würden. Easyjet sagt ja so schön "If you are late, we don't wait!". Kurz darauf bemerkte eine andere Angestellte, dass jemand unter uns sehbehindert ist und plötzlich hörten 2-3 Angestellte unser Problem an, kümmerten sich um uns und schlussendlich brachten sie die Boardingkarten für Nadine und Yves. Sie waren sehr freundlich und fragten, ob wir noch zusätzliche Hilfe für Yves benötigten. Schliesslich rannten wir zum Gate und stiegen als letzte Passagiere 5 Minuten vor der geplanten Ablugszeit ein. Wir starteten dann mit etwa 15 - 20 Minuten Verspätung. Ich war sehr dankbar für die Hilfe, sonst hätten wir es mit Sicherheit nicht rechtzeitig geschafft. Doch ich bin mir nicht sicher, ob sie auch so hilfsbereit reagiert hätten, wenn keine sehbehinderte Person dabei gewesen wäre.






cooler Strassenkünstler